Dienstag, 1. Mai 2007

Ich und das Jakobsschaf

Zur Erinnerung: Vor gut einem Jahr fuhr die ReEnActress nach Wittmund, um Schafe zu kitzeln und beim Scheren dabeizusein.
Dabei nahm ich mir ein Vlies von einem Jakobsschaf mit - also einen Sack Wolle genau von einem Schaf.
Bei Jakobsschafen sind nicht nur die Hörner faszinierend, sondern auch das hübsche lange, schwarzweiß gescheckte Fell:

Jacobs-Schafbock

- und ich dachte mir, es könnte reizvoll sein, mal mit solcher Wolle zu arbeiten. Und außerdem hatte ich, die ich bisher nur fertig kardierte Wolle gekauft hatte, den Ehrgeiz, einmal den gesamten Aufbereitungsprozess "ab Schaf" mitzumachen.

Da das Frühjahr 2006 - man kann sich kaum noch dran erinnern - eher kalt und feucht war und meine Gastgeberin daher im Mai, als ich dort war, erst mit dem Scheren begann, gehe ich davon aus, dass "mein" Vilies schon vom Vorjahr stammt. Es dürfte also jetzt, da ich es mit einem Jahr Verspätung ausgepackt habe, schon knapp zwei Jahre auf dem Buckel haben... naja, irgendwie ergab sich vorher keine Gelegenheit. Oh Wunder: Von Motten und so was ist es verschont geblieben, und es machte auch sonst noch einen guten Eindruck. Also frisch ans Werk. Schließlich haben wir den Tag der Arbeit.

Erster Schritt: Sortieren

Wolle sortieren

Zunächst sollte das Vlies von allem befreit werden, was sich nachher nicht mehr verarbeiten lässt, also manuell herauszupfbare Verunreinigungen und Wollfasern, die so kurz oder so verdreckt sind, dass sie die Mühe nicht lohnen. Besser man entfernt sie vorher, denn spätestens beim Kardieren müsste man den Kram eh wegwerfen, daher sollte man das Zeug lieber früh loswerden.
Einiges ist einfach, z. B. große Dreckklumpen (von denen es zum Glück kaum welche gab) und diese typischen kleinen 1 - 2 cm langen Nachschnittflümmchen (von denen ziemlich viel dabei war). Aber wie erkennt man, welche Verunreinigungen (z. B. die hart zusammengeklebten Faserspitzen) sich noch rauswasschen? Und ab welcher Faserlänge lohnt es sich, die Flocken zu behalten?
Learning by doing: in der ersten Fuhre war noch einiges drin, was ich ab dem zweiten Mal schon aussortierte. Ich habe schlauerweise nämlich nur so lange sortiert, bis ich genug für den ersten Waschgang zusammen hatte und dann weitersortiert, so lange die erste Ladung schon einweichte.

Zweiter Schritt: Waschen

Wolle waschen

Einen Wäschekorb voll sortierter Wollflocken warf ich also in eine Babybadewanne mit heißem Wasser und Waschsoda. Entgegen einiger Vorurteile kann man Wolle heiß waschen, man darf sie nur nicht "erschrecken", also z. B. nicht heiß waschen und dann kalt spülen, sonst filzt sie. Und mein Durchlauferhitzer schafft eh nicht mehr als 40°. Diese Temperatur ist aber auch sinnvoll und man sollte die Wolle rausholen, so lange das Wasser noch warm ist, damit das gelöste Fett sich nicht gleich wieder an der Wolle absetzt. Übrigens wirkt die Soda sehr entfettend, wer also das Lanolin in der Wolle behalten möchte, sollte ein anderes Waschmittel nehmen.

Dritter Schritt: Nachspülen

Nach dem Waschen dreckige Bruehe

Meine Sorge, wie ich die Fasern ohne Sieb wieder aus dem Wasser kriege, erwies sich als unbegründet: die langen Fasern ließen sich in einem dicken Kloß aus dem Wasser ziehen, so dass ich das Wasser abgießen konnte, ohne Wolle zu verlieren.
Vorne im Bild die nasse Wolle, hinten die Badewanne mit dem Waschwasser. Dessen Farbe zeigt, dass noch mindestens zwei Gänge (warm) Nachspülen notwendig waren...

Vierter Schritt: Zupfen und Trocknen

Zum Trocknen sortiert in schwarz und weiss

Ich habe erwogen, die Wolle in der Waschmaschine im Schongang zu schleudern (ohne Spülen), habe aber drauf verzichtet, da ich die Wolle nicht lose in die Machine geben wollte und andererseits befürchtete, dass es, wenn ich sie in einen Bettbezug o. ä. packe, zu viel Unwucht gibt. Also nur locker ausgedrückt, dann die Locken ein bisschen auseinandergezupft , damit es besser trocknet. Ich habe dabei schon versucht, die weißen und die dunklen Locken zu trennen. Ganz ist es mir nicht gelungen, wahrscheinlich geht das besser, wenn die Wolle wieder trocken ist. Und ganz perfekt schaff ich es vermutlich nicht.
Das Verhältnis schwarz zu weiß ist etwa 1:3.

Fünfter Schritt: Warten...

Jetzt muss ich nur noch warten, bis die Wolle trocken ist, und sie dabei ab und zu in den Faltkisten wenden, da sie im Moment halt noch recht nass ist. Die Faltkisten habe ich gewählt, weil sie seitlich gelocht sind und so die Luft zirkulieren kann. Lieber wären mir Kisten gewesen, die auch am Boden (kleine) Löcher haben, aber so was habe ich nicht auftreiben können.
Ich habe mich dagegen entschieden, die Wolle auf dem Balkon zu trocknen. Nicht dass noch eine vermehrungsfreudige Motte ihre Eier reinlegt.... Zum Glück ist die Luft in meiner Wohnung trocken genug, dass ich es auch hier drin machen kann.

Ergebnis eines arbeitsamen Tages

Ich habe heute das gesamte Vlies sortiert, etwa 40% gewaschen, alles Unschöne weggeworfen und den Rest wieder gut verpackt. Eine ziemliche Plackerei. Das Sortieren dürfte allerdings mit der Zeit deutlich schneller gehen, wenn man weiß, was man brauchen kann und was nicht.
Mir scheint allerdings, dass der Arbeitsaufwand des Sortierens und Waschens von Wolle beträchtlich ist. Dazu kommt ja dann auch noch das Kämmen oder Kardieren. Es dauert also ganz schön lange, bis die nicht von Maschinen unterstützte Textilherstellerin überhaupt erst zur Spindel greifen kann.

Sonntag, 29. April 2007

Freienfels 2007

Die Ritterspiele Freienfels finden jedes Jahr Anfang Mai statt. Freienfels gehört zu den größten Veranstaltungen der nichkommerziellen Mittelalterszene (ich wähle mal diese Umschreibung für den Teil der Szene, den wir uns so ganz grob zugehörig fühlen). Und da es recht früh im Jahr ist, ist es halt die erste Gelegenheit im Jahr, fast alle Bekannten mal wieder zu sehen... und womöglich neue Bekanntschaften zu machen.

Eher aus historischen denn aus konzeptionellen Gründen hatten wir mit Freienfels bisher nicht so viel am Hut - wir waren, was vergleichbare Veranstaltungen angeht, halt eher auf Herzberg oder Tannenberg geprägt. Aber nachdem wir vorgestern feststellten, dass Freenfels von Köln aus ja gar nicht so weit weg ist, machten wir einen Tagesausflug (in Gewandung des 21. Jahrhunderts) dorthin. Konstantin war mit von der Partie und als einziger natürlich in korrekter Wikingerausstattung.

Und tatsächlich: Wir trafen dort sehr viele Bekannte - davon auch einige, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Und zu einigen aus "einschlägigen" (hihi) Foren bekannten Namen kann ich jetzt Gesichter zuordnen.

Was mir auffiel: In Freienfels tummelt sich, sehr viel mehr als bei den anderen genannten Veranstaltungen, ein sehr breites Spektrum der Szene. Von der So-belegbar-wie-nur-irgend-möglich-Fraktion bis zu den Leuten mit Schottenröcken, Trinkhorn im Halfter oder Ypsilonen auf der Zunge. Aber gerade das scheint einen Teil des Reizes auszumachen.

Es dürfte, wen überrascht es, das heißeste Freienfels seit Aufzeichnung der Ritterspiele gewesen sein. Sogar Ordensleute sah man im Untergewand!

Hier eine Impression: Im Vordergrund der Harfenspieler Jonny Robels (der soeben eine neue CD veöffenticht hat, auf der sich u. a. ein Stück mit dem Namen "The Spirit of Freienfels" findet), im Hintergrund das Zelt von Wollstoff-Jörg: Ob die Personen, die sich vor dem Zelt aufhalten, schon der Anfang vom kleinen Tempus-Vivit-Usertreffen sind?

Jonny der Harfenspieler und Joergs Stoffe-Stand

Für kurzentschlossene LeserInnen: Die Veranstaltung dauert noch bis zum 1. Mai!

Donnerstag, 8. März 2007

Frühmittelalterliche Keramik

Ich habs hier noch nicht verraten, aber seit September besuche ich einen Töpferkurs bei der Volkshochschule *grins*. Nette Sache, das Ganze ist sozusagen Freestyle, alles außer Scheibedrehen, jedeR kann machen, wozu sie oder er Lust hat und der Dozent hilft.

Und wozu hatte Frau Lunula Lust? Klar: Frühmittelalterliche Keramik! Gibt es doch einige bruachbare Repliken aus "unserer" Zeit aus dem Rheinland (und ein prima Keramikmuseum dort, Näheres bei Herrn Borre), aber kaum etwas an slawischer Keramik. Seltsam eigentlich, wo doch die Westslawen gerade bei der Keramik (ganz im Gegensatz zu den Wikingern...) eine beachtliche Formenvielfalt und Schönheit erreicht haben.

Das Ganze gestaltet sich aber mühseliger als gedacht. Langsam bin ich so weit, dass ich mich truae, die ersten Produkte vorzuzeigen.
Et voila:

Topf und drei Spinnwirtel aus grauem Ton

Der erste Topf, der wirklich ein bisschen wie die leuchtenden Vorbilder ausschaut, ist allerdings noch im Töpferofen. Davon gibts dann nächste oder übernächste Woche ein Foto.

Spinnwirtel hingegen sind etwas einfacher zu machen. Allerdings sind die abgebildeten noch nicht ganz symmetrisch. Auch daran heißt es weiterüben!

Mittwoch, 28. Februar 2007

Mittelalter Helpdesk

Für alle, die schon einmal einer Person, die da echt kein' Vertrag mit hat, versucht hat, die Funktionsweise eines Computerprogramms oder eines Handys oder eines anderen interaktiven Geräts begreiflich zu machen, ist es vielleicht ein Trost, dass es im Mittelalter auch nicht besser war.

Danke an Schwarzenberg für den Link!

Dienstag, 27. Februar 2007

Glühbirnenwitze

Es gibt ein Genre von Witzen, die alle nach dem folgenden Muster gebaut sind:

Frage: Wieviele Ostfriesen braucht man, um eine Glühbirne einzuschrauben?
Antwort: Vier. Einer hält die Birne, drei drehen den Stuhl, auf dem er steht.

Insbesondere die Amis haben die "Lightbulb Jokes" zu einem echten Sport gemacht, es gibt welche über so ziemlich alle Berufs- und sonstigen Gruppen.

Seltsamerweise aber noch nicht über Reenactors und -actresses. Zumindest habe ich noch keine gefunden, sollten die geneigten LeserInnen etwas finden, bitte gern mitteilen.

Was dem noch am nächsten kommt, sind die Glühbirnenwitze über Neuheiden, vor allem Wicca und diejenigen über SCAler (Achtung, bei beiden ist eine gewisse Kenntnis der Szene von Nutzen, aber es sind auch allgemein verständliche dabei!)

Also habe ich mit (im Folgenden gekennzeichneter) Hilfe einiger anderer Reenactors beschlossen, dem abzuhelfen und eine Serie von Glühbirnenwitzen über die Reenactor-Szene zu beginnen. Weitere Vorschläge in den Kommentaren sind willkommen, Fortsetzung meinerseits wird ebenfalls folgen.

Los gehts (F=Frage, A=Antwort):

F: Wie viele Gewandschneiderinnen braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?
A: Drei. Eine, die die Birne austauscht und zwei, die die violette Pannesamtdraperie über dem Lampenschirm wieder arrangieren.

Dieser hier ist von Andreas zu Sternberg:
F: Wieviele Mittelalterdarsteller braucht es um eine Glühbirne auszutauschen?
A: Einen Authentiker, der das Ding gegen eine Laterne aus der Kreuzfahrerbibel austauscht, einen der über die Belegbarkeit philosophiert und einen Fuzzy, der sich über diese A- Faschisten beschwert, die ja eh keinen Spass dabei haben können..

jetzt wieder von mir:
F: Wie viele Freischlachtkämpfer braucht es, um eine kaputte Glühbirne zu ersetzen?
A: Elf. Einen, der sie ersetzt und zehn, die darüber diskutieren, nach wie vielen Treffern eine Birne als kaputt gilt und welche Trefferzonen erlaubt sind.

F: Wie viele Kettenhemdbastler braucht es, um eine Glühbirne einzuschrauben?
A: Vier. Einen, der sie einschraubt und drei, die vorher die Kiste mit den 200 frischen Glühbirnen reingetragen haben.

F: Wie viele Fan-A-tiker braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln?
A: Maximal einen. Auf keinen Fall darf Publikum dabei sein!

diese beiden hier sind von Hlorridi:
F: Wie viele Marktfuzzis beueGzw ("braucht es um eine Glühbirne zu wechseln")?
A: 7 - Einer wechselt das Ding, 1 wickelt Webfell drumrum damit keiner sieht dass es modern ist und 5 die sich gegenseitig bestätigen, dass Kerzen ja eigentlich auch aus modernem Paraffin sind und ausserdem eh nichts sicher undwenndiedamalsauchschon.....

F: Wieviele Touris braucht man um ne Glühbirne zu wechseln?
A: 81 - 28 gucken blöd aus der Wäsche, 13 erklären ihren Kindern wie es wirklich geht, 37 klappern mit den Händen und einer schaut verlegen drein weil er nicht weiß was ein Goldrandtaler ist, den der unrasierte Typ in komischer Verkleidung von ihm haben will, der grad die Glühbirne gewechselt hat.

Erweiterung von mir:
du hast noch die drei vergessen, die sofort alle rumliegenden Glühbirnen ungefragt angrapschen, woraufhin mindestens eine (neue!) zu Bruch geht.

Und noch einen aus der eigenen Erfahrung:
F: Wie viele hochmotivierte Frühmi-Darsteller braucht es, um eine Glühbirne auszutauschen?
A: Sechs. Einen, der die Birne gegen eine Holz-/Glaslaterne tauscht, einen, der die Glaslaterne gegen eine Visby-Rohhaut-Laterne tauscht, einen, der feststellt, dass die Visby-Laterne auch nur eine Szenelegende ist, einen, der sie deshalb gegen eine tönerne Talglampe austauscht, einen, der auch deren Belegbarkeit in Zweifel zieht und einen, der aufatmet, weil es wenigstens für die verdammte Talglampe einen Beleg gibt.

So, und wer es bis hier durchgehalten hat, kriegt zur Belohnung noch meine absolute Lieblingskreation:

F: Wie lange brauchte die Nadelbinderin, um die kaputte Glühbirne auszutauschen?
A: Ziemlich lange. Erst versuchte sie, die Enden des Glühfadens in der durchgebrannten Birne wieder zusammenzufilzen.

Meine lebende Geschichte

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John
Ive learn some excellent stuff here. Certainly worth...
Smithk712 (Gast) - 2014/07/03 12:56
Tolle Infos
Danke für die tollen Infos. Da weiß ich ja, auf was...
Isabel (Gast) - 2013/05/15 11:15
ooops
das erklärt einiges... mich nerven die verwahrlosten...
irka (Gast) - 2012/04/11 21:48
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Es gibt wohl wirklich keine Benachrichtigungen von...
comusywa - 2012/03/21 15:11
Reise nach Rom - Essentials
So, hier noch einige wichtige zusammenfassende Bemerkungen...
lunula - 2012/03/18 15:59

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