Dienstag, 27. Februar 2007

Glühbirnenwitze

Es gibt ein Genre von Witzen, die alle nach dem folgenden Muster gebaut sind:

Frage: Wieviele Ostfriesen braucht man, um eine Glühbirne einzuschrauben?
Antwort: Vier. Einer hält die Birne, drei drehen den Stuhl, auf dem er steht.

Insbesondere die Amis haben die "Lightbulb Jokes" zu einem echten Sport gemacht, es gibt welche über so ziemlich alle Berufs- und sonstigen Gruppen.

Seltsamerweise aber noch nicht über Reenactors und -actresses. Zumindest habe ich noch keine gefunden, sollten die geneigten LeserInnen etwas finden, bitte gern mitteilen.

Was dem noch am nächsten kommt, sind die Glühbirnenwitze über Neuheiden, vor allem Wicca und diejenigen über SCAler (Achtung, bei beiden ist eine gewisse Kenntnis der Szene von Nutzen, aber es sind auch allgemein verständliche dabei!)

Also habe ich mit (im Folgenden gekennzeichneter) Hilfe einiger anderer Reenactors beschlossen, dem abzuhelfen und eine Serie von Glühbirnenwitzen über die Reenactor-Szene zu beginnen. Weitere Vorschläge in den Kommentaren sind willkommen, Fortsetzung meinerseits wird ebenfalls folgen.

Los gehts (F=Frage, A=Antwort):

F: Wie viele Gewandschneiderinnen braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?
A: Drei. Eine, die die Birne austauscht und zwei, die die violette Pannesamtdraperie über dem Lampenschirm wieder arrangieren.

Dieser hier ist von Andreas zu Sternberg:
F: Wieviele Mittelalterdarsteller braucht es um eine Glühbirne auszutauschen?
A: Einen Authentiker, der das Ding gegen eine Laterne aus der Kreuzfahrerbibel austauscht, einen der über die Belegbarkeit philosophiert und einen Fuzzy, der sich über diese A- Faschisten beschwert, die ja eh keinen Spass dabei haben können..

jetzt wieder von mir:
F: Wie viele Freischlachtkämpfer braucht es, um eine kaputte Glühbirne zu ersetzen?
A: Elf. Einen, der sie ersetzt und zehn, die darüber diskutieren, nach wie vielen Treffern eine Birne als kaputt gilt und welche Trefferzonen erlaubt sind.

F: Wie viele Kettenhemdbastler braucht es, um eine Glühbirne einzuschrauben?
A: Vier. Einen, der sie einschraubt und drei, die vorher die Kiste mit den 200 frischen Glühbirnen reingetragen haben.

F: Wie viele Fan-A-tiker braucht man, um eine Glühbirne auszuwechseln?
A: Maximal einen. Auf keinen Fall darf Publikum dabei sein!

diese beiden hier sind von Hlorridi:
F: Wie viele Marktfuzzis beueGzw ("braucht es um eine Glühbirne zu wechseln")?
A: 7 - Einer wechselt das Ding, 1 wickelt Webfell drumrum damit keiner sieht dass es modern ist und 5 die sich gegenseitig bestätigen, dass Kerzen ja eigentlich auch aus modernem Paraffin sind und ausserdem eh nichts sicher undwenndiedamalsauchschon.....

F: Wieviele Touris braucht man um ne Glühbirne zu wechseln?
A: 81 - 28 gucken blöd aus der Wäsche, 13 erklären ihren Kindern wie es wirklich geht, 37 klappern mit den Händen und einer schaut verlegen drein weil er nicht weiß was ein Goldrandtaler ist, den der unrasierte Typ in komischer Verkleidung von ihm haben will, der grad die Glühbirne gewechselt hat.

Erweiterung von mir:
du hast noch die drei vergessen, die sofort alle rumliegenden Glühbirnen ungefragt angrapschen, woraufhin mindestens eine (neue!) zu Bruch geht.

Und noch einen aus der eigenen Erfahrung:
F: Wie viele hochmotivierte Frühmi-Darsteller braucht es, um eine Glühbirne auszutauschen?
A: Sechs. Einen, der die Birne gegen eine Holz-/Glaslaterne tauscht, einen, der die Glaslaterne gegen eine Visby-Rohhaut-Laterne tauscht, einen, der feststellt, dass die Visby-Laterne auch nur eine Szenelegende ist, einen, der sie deshalb gegen eine tönerne Talglampe austauscht, einen, der auch deren Belegbarkeit in Zweifel zieht und einen, der aufatmet, weil es wenigstens für die verdammte Talglampe einen Beleg gibt.

So, und wer es bis hier durchgehalten hat, kriegt zur Belohnung noch meine absolute Lieblingskreation:

F: Wie lange brauchte die Nadelbinderin, um die kaputte Glühbirne auszutauschen?
A: Ziemlich lange. Erst versuchte sie, die Enden des Glühfadens in der durchgebrannten Birne wieder zusammenzufilzen.

Dienstag, 13. Februar 2007

no party this year

Für alle, die sich wundern, weil sie dieses Jahr keine Einladung zur Karnevals-Fete bei Herrn Borre bekommen haben:

Nein, die Party findet nicht ohne Euch statt, sondern dieses Jahr gar nicht. Borre & Lunula haben dieses Jahr was anderes vor als Karneval.

Näheres demnächst in diesem Blog - oder in dem von Herrn Borre.

Samstag, 3. Februar 2007

Dengeln

Ich muss mal wieder was fü die Rubrik ReEnActress-Lexikon tun.

Also:
"Dengeln" bezeichnet ursprünglich eine Methode, mit der man die Klingen von Sensen oder Sicheln schärft, indem man auf ihnen rumhämmert. Siehe z. B. hier.

Deutschsprachige Reenactors bezeichnen damit aber auch das Kämpfen auf Mittelalter-Veranstaltungen, und zwar wird der Begriff, das ist das Lustige dran, sowohl liebevoll also auch verächtlich gebraucht (Beispiel für Letzteres: "Das ist doch nur Rumgedengel").

Die bei Veranstaltungen aller Art gezeigten Kämpfe sind ein nie versiegender Quell heftiger Diskussionen in der Szene. Gründe dafür gibt es einige:
  • Erstens ist Kampf, Schlacht, Eroberung und Plünderung fester Bestandteil des landläufigen Mittelalterbildes, gerade auch wens um Wikinger geht. Das ist ja auch nicht falsch, aber daraus wird zumeist geschlossen, dass jede einschlägige Veranstaltung auch eine Kampfvorführung beinhalten MUSS.
  • Zweitens sind seeehr viele männliche Reenactors über das Kämpfen zum Hobby gekommen und für sie ist es ein wesentliches Element ihres Hobbys.
  • Drittens ist eine wirklich realistische Vorführung eines mittelalterlichen Kampfes kaum möglich, da man die Teilnehmer ja nicht "in echt" töten sollte.
  • Daraus ergibt sich aber viertens, dass die meisten Kampfhandlungen irgendwie ziemlich seltsam aussehen. Am seltsamsten sieht es übrigens aus, wenn "Tote" den weiteren Verlauf einer Schlacht gemütlich auf den Ellboten gestützt verfolgen...
  • Und fünftens ergibt daher natürlich auch die Ausrüstung kein realistisches Bild, weil z. B. aus Sicherheitsgründen auch das gemeine Fußvolk mit luxuriösem Hand-, Arm- und Körperschutz ficht.

Sonntag, 28. Januar 2007

Nachtrag: Sprang

Jaja, ich habe einiges nachzuholen, was das Bloggen angeht. Hier erst mal ein schon längst fälliger Nachtrag.

Wir waren ja (als Tagesbesucher in Zivil) Pfingsten 2006 in Eindhoven, wo wir Blue kennenlernten. Ich habe damals Fotos und einen Blogeintrag von ihren Kunstwerken gemacht.

Im September 2006 waren wir (auch als Tagesbesucher in Zivil) wieder in den Niederlanden, diesmal aber im Archeon - und wir trafen Blue wieder, und diesmal zeigte sie uns das fünf Meter lange Wadenwickel-Band aus Sprang, das sie in Eindhoven gewebt hatte und das nun fertig war. Hier ist es:

Band in Sprangtechnik rot, weiss, blau

Mittlerweile hat sie übrigens auch eine sehr schöne Website, auf der auch einiges über Sprang steht.

Sonntag, 8. Oktober 2006

Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation

Heute bin ich ziemlich spontan nach Magdeburg gefahren, um mir Mittelalter im Museum anzuschauen. Es gibt nämlich gerade diese Ausstellung, und zwar in zwei Teilen: das Reich zwischen 962 und 1494 - also sozusagen das Mittelalter - in Magdeburg, 1495 bis 1806 in Berlin.

Um es gleich zu sagen: Die Ausstellung lohnt die Anreise, mir hat sie gefallen. Da einige meiner MIttelalterfreunde (Früh-/Hoch-/Spät-) da auch noch hin wollen, fahr ich vielleicht auch noch mal hin.

Die Ausstellung ist sehr stark wörtlich auf den Titel fokussiert, d. h. es geht wirklich fast ausschließlich darum, was am deutschen Reich heilig, römisch oder deutsch war, wie sich verschiedene Herrscherhäuser auf bestimmte Traditionen bezogen haben. Diese Themen werden gut und vertieft dargestellt, vor allem anhand großer Mengen von illuminierten Handschriften und Urkunden - diese machen den allergrößten Teil der Exponate aus - und Texttafeln. Andere Themen, wie Alltagsleben, Sachkultur, Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung, kommen fast überhaupt nicht vor (allerdings zum Teil in den Begleitbänden). Man kann natürlich die großartige Ornamentik einer frühmittelalterlichen Elfenbeinschnitzerei bewundern, aber in der Ausstellung steht sie hauptsächlich, weil die geschnitzte Szene etwas über das Verhältnis eines Kaisers zur Kirche aussagt...
Die Exponate, nicht nur die Handschriften, sind allesamt vom Feinsten und viele davon hätten schon ganz alleine den (ohnehin fairen) Eintrittspreis gelohnt. Allerdings hat mich ein wenig überrascht (aber durchaus nicht enttäuscht), dass bei der Thematik nicht noch viel mehr Kronen, Zepter, Schwerter etc. ausgestellt wurden. Davon gibt es schon welche, aber nicht viel. A propos Schwerter: Für die Jungs ist auch nicht viel dabei, nur in der Spämi-Abteilung gibt es eine komplette Plattenrüstung von Kaiser Maximilian - das habe ich ein bisschen bedauert, weil damit der gewöhnliche Besucher wieder mal meint, die Leute wären während des ganzen Mittelalters in solchen Rüstungen rumgelaufen....

So, jetzt kommen die beiden größten Minuspunkte der Ausstellung: Erstens: Sie ist voll. Wer sich das zeitlich leisten kann, sollte nicht gerade sonntags hingehen, und wer in Menschenmengen Panikattacken kriegt, sollte draußen bleiben (und vielleicht den Katalog kaufen). Und leider "knubbelt" es sich vor allem am Anfang der Ausstellung, also grade im 10. Jahrhundert, später verläuft es sich etwas.
Zweitens: Es ist ziemlich dunkel. Ich kann das ja angesichts der sehr wertvollen und empfindlichen Bücher und Textilien verstehen, aber wenigstens die erklärende Beschilderung hätte man etwas besser anleuchten können - Menschen, die nicht so schlecht sehen wie ich, dürften mit der Beschilderung aber vermutlich klarkomen. (Fotografieren ist übrigens sowieso streng verboten.)

Jetzt aber wieder zu den positiven Punkten: Trotz des Andrangs und der abgeschotteten Räume ist die Luft erstaunlich angenehm. Das ganze Gebäude ist stimmig für die Ausstellung. Die Exponate sind gut präsentiert, man kann um die meisten herumgehen und sie von allen Seiten betrachten. Nur der Codex Manesse, eines der Highlights, liegt ein bisschen zu hoch, so dass ich als kleiner Mensch auf die Zehenspitzen steigen musste, um was zu sehen - bei den meisten Sachen geht das aber bzw. ist eher Kniebeuge gefragt, wenn in der unteren Etage der Vitrine noch was Spannendes liegt...
(Weil das sicher einige Leser interessiert: Der Codex Manesse ist auf der Seite mit der Abbildung von Kaiser Heinrich aufgeschlagen, die auch auf dem Plakat ist; andere Abbildungen sind nicht zu sehen.)
Noch ein großes Lob an die Ausstellungsmacher: Die Ausstellung ist einfach chonologisch aufgebaut, es gibt also keinen modischen Schnickschnack wie "Themeninseln" (*grmbl*), man ließ die Exponate für sich selbst sprechen und drängt dem Betrachter nicht gewaltsam irgendwelche Bezüge auf. Ist ja heute nicht selbstverständlich.

Es gibt auch einen Audioguide und ein bisschen Multimedia, wie ein Manesse-Hörspiel und ein MDR-Filmchen. Die Audio-Sachen habe ich nicht gehört, das Filmchen ist ganz nett (angesichts des Zeugs, was aus dem Hause MDR auch schon kam, ist es sogar gut, abgesehen von ein paar hässlichen Theaterfundus-Klamotten... aber im größten Teil des Films geht es um die Ausstellung, richtige kostümierte Spielszenen sind zum Glück nciht dabei, nur so ein paar angebliche Kaiser mit Theaternebel...)

Meine persönlcihen Highlights sind übrigens eine Alba (lange weiße Übertunika) von Kaiser Friedrich Barbarossa mit Goldbrokatborten und der Krönungsmantel von Otto IV. aus Seidensamit mit Goldstickerei, jaja, ich weiß, ich bin ein Mädchen und Textilfreak... und beides aus dem Hochmittelalter *grübel* ...

Ja, und dann musste ich natürlich noch die offiziellen Kataloge kaufen und noch ein paar weitere Kleinigkeiten (Magdeburg ist Ottonenstadt, d. h. es gibt noch einiges an spannenden Büchern zum 10. Jahrhundert dort zu erwerben...). Leider entsprach das Gewicht meines Rucksacks hinterher ungefähr meinem eigenen *stöhn*, und das führte dazu, dass mein anschließender Besuch im Magdeburger Dom etwas "niedergedrückt" und daher kurz war - ich will aber nicht versäumen, bekanntzugeben, dass dort im Dom, nicht weit vom Museum, sozusagen als Ergänzung, gerade eine Ausstellung mit Taufbecken aus 1000 Jahren gezeigt wird, zum Teil sehr bizarre Gebilde und auch sehr schöne aus dem MIttelalter.

Neue Rubrik

Dieser Beitrag eröffnet übrigens eine neue Rubrik, die ich schon sehr lange plane, weil ich gerne etwas über die Präsentation von Geschichte und Mittelalter in Museen und Ausstellungen schreiben will, vor allem, weil ich mich über einige davon maßlos aufgeregt habe. Aber jetzt ist der erste Eintrag erst mal positiv geworden. Ist doch auch was.

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John
Ive learn some excellent stuff here. Certainly worth...
Smithk712 (Gast) - 2014/07/03 12:56
Tolle Infos
Danke für die tollen Infos. Da weiß ich ja, auf was...
Isabel (Gast) - 2013/05/15 11:15
ooops
das erklärt einiges... mich nerven die verwahrlosten...
irka (Gast) - 2012/04/11 21:48
Mensch muss immer nachschauen
Es gibt wohl wirklich keine Benachrichtigungen von...
comusywa - 2012/03/21 15:11
Reise nach Rom - Essentials
So, hier noch einige wichtige zusammenfassende Bemerkungen...
lunula - 2012/03/18 15:59

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