[>>]

Freitag, 5. Februar 2010

Borres Blog ist in 2 Wochen wieder online ....

... lässt er ausrichten.

Samstag, 30. Januar 2010

Bürgerkrieg

Es geht hier nicht um eine historische Epoche. Nein, ich möchte mal etwas loswerden, was mich schon seit mindestens anderthalb Jahren umtreibt. Im Jahr 2008 hat es zu einigen sehr unschönen Erlebnissen in meiner eigenen Hobbyausübung geführt. Das Jahr 2009 war zum Glück ruhiger. Aber das Problem bleibt.

Ich schreibe diesen Text nicht auf Grund irgendwelcher gerade aktueller Ereignisse. Irgendwas ist ja eigentlich immer….

Den Begriff "Bürgerkrieg" wähle ich, weil ich damit eine Situation beschreibe, bei der im gleichen "Land" mehrere Parteien erbittert gegeneinander kämpfen. Manchmal weiß man nicht einmal, wann und warum es angefangen hat. Vermutlich haben beide Parteien davon auch unterschiedliche Versionen. Jedenfalls kann es dazu führen, dass Menschen, die eigentlich etwas gemeinsam haben und manchmal auch Freunde sind, sich plötzlich auf verschiedenen Seiten der Barrikade wiederfinden. Dass einem Entscheidungen für oder gegen eine Partei aufgenötigt werden. Dass es fast unmöglich ist, sich aus allem rauszuhalten, wenn man überhaupt mit Menschen zu tun hat, die irgendwie involviert sind.

Das Gespenstische ist, im Jahre 2008 bin ich gleich zwischen mehrere solche Bürgerkriegsfronten geraten. Und diese verschiedenen Kriegsschauplätze lassen sich auch nicht auf einen einzigen Konflikt zurückführen, d. h. es laufen gleich mehrere Kriege parallel und weitgehend unabhängig voneinander.

Aber lasst uns mal versuchen, den Ablauf ein wenig zu abstrahieren:

Wir sind im Hobby Living History. Ich besuche Veranstaltungen, bekomme über irgendwen Kontakte zu Veranstaltern, mache bei Museumsbelebungen und dergleichen mit. Die anderen Mitwirkenden kenne ich unterschiedlich gut, aber alle scheinen erst mal ähnliche Vorstellungen und Ideen zu haben wie ich. Eigentlich alles prima.

Dann bekommt man anhand der einen oder anderen spitzen Bemerkung mit, dass Person A und Person B offenbar nicht besonders gut miteinander können, denkt sich aber immer noch nix Schlimmes. Ich meine, es ist ein Hobby, man muss gar nicht mit jedem gleich gut auskommen.

Meines Feindes Freund ist mein Feind

Und dann passiert es. Zum Beispiel hatte man zu einer bestimmten Frage, wie eine Veranstaltung zu konzipieren bzw. mit einem Veranstalter zu verhandeln sei, unterschiedliche Auffassungen. Person B tauschte sich auch mal ohne Person A einzubeziehen mit einzelnen oder mehreren Diskutanten per Mail aus. Das nächste was geschah, war, dass ein ganzer Schwung von Personen mit einer sehr fadenscheinigen Begründung aus einem bestimmten Forum geworfen wurde, was auch indirekt zur Folge hatte, dass ich zu der Veranstaltung, über die wir da diskutiert hatten, keinen Zugang mehr hatte.

Noch mal zusammengefasst: Person A meinte, ich gehörte zur "Kriegspartei" von Person B und betrachtete mich daher offenbar als ihre Feindin.

Was übrigens damals in keiner Weise stimmte, und mit meiner Position in der damaligen Konzeptdiskussion hatte das auch wenig bis nichts zu tun. Der fast schon witzige Effekt ist nun natürlich der einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Mit Person B habe ich noch viel zu tun, mit Person A nicht mehr. Ich würde sie nicht als meine Feindin betrachten, aber mit jemandem, der sich mir gegenüber so unfreundlich verhält, möchte ich natürlich möglichst nicht mehr viel zu tun haben.

Eine andere Geschichte vom gleichen Kaliber, mit ganz anderen Personen, spielt sich mehr in Foren und Chats ab. Ich habe öfter mal den Eindruck, dass ich von der dortigen Person A immer mal wieder kritisiert bzw. angegriffen werde, nicht weil meine konkrete Äußerung ihren Missfallen erregt, sondern weil sie mich mit Person B in einem Boot wähnt und daher stets gewillt ist, alles was ich äußere, mit der Bürgerkriegsbrille zu betrachten.

Meines Feindes Feind ist mein Freund

Anders herum funktioniert das Ganze übrigens auch. Wenn Person B mit irgendeiner Person C verfeindet ist oder auch nur Differenzen mit C hat – z. B. mal deren Klamotten kritisiert hat -, dann scheint allein das schon ein Anlass dazu zu sein, dass Person A in Person C das Gute sucht und findet, da C als potentieller Verbündeter oder zumindest als Beweis für die Schlechtigkeit von Person B in Frage kommt.

In den vergangenen zwei Jahren hat es in der, ich nenne sie mal ganz pauschal Geschichtsvermittlerszene, mehrere hochinteressante Diskussionen gegeben, die zum Teil im Zusammenhang, zum Teil separat geführt wurden. Insbesondere ging es um Fragen der Konzeption von Museumsevents, deren Wissenschaftlichkeit bzw. überhaupt des zugrunde liegenden Wissenschaftsbegriffs sowie der Frage des Einflusses von Naziideologie auf einzelne Gruppen und die gesamte Szene. Leider war es an vielen Stellen kaum möglich, produktiv zu diskutieren, weil ganz offenbar zu viele Bürgerkriegsparteien involviert waren. Für Personen, die die ganzen Bürgerkriege nicht mitbekommen haben, ist es oftmals überhaupt nicht nachzuvollziehen, warum in Foren oder Chats relativ harmlose Äußerungen mit heftigen Schimpfkanonaden beantwortet werden. Typisch ist auch, dass sich niemals offen auseinandergesetzt wird, es wird sich dann oft so ausgedrückt "wenn einige Leute meinen, jetzt mit dem Finger auf andere zeigen zu können, dann sollten sie mal…."

"There is no decent place to stand in a massacre …" (Leonard Cohen)

Nachdem die jeweilige Person B sich klug verhält, nämlich ihre Auseinandersetzung schlicht nicht auf meinem Rücken austrägt, führt das Ganze natürlich dazu, dass ich zwangsläufig mehr mit Person B als mit Person A zu tun habe, dadurch natürlich mehr von ihrer Sicht der Dinge mitbekomme. Ganz abgesehen davon, dass es sich dabei ja auch um ein paar sehr nette Menschen handelt und man sich mit diesen gerne anfreundet.
Aber der Krieg ist nicht vorbei. Und ich merke, wie ich immer wütender werde. Ich bin eine diskussionsfreudige Frau, die gerne mal sagt, was sie denkt, und die (anders als andere in diesem Hobby, die ich durchaus verstehen kann) auch gern mal zu grundlegenden Diskussionen über konzeptionelle oder politische Aspekte unseres Hobbys meinen Senf beisteuere. Es ärgert mich maßlos, dass ich das an vielen Punkten nicht kann, um nicht noch tiefer in irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden. Mir kribbeln die Finger, zu einem bestimmten Thema z. B. in einem Forum einen Beitrag zu schreiben, aber ich verzichte darauf, weil jemand anderes aus meinem Umkreis schon was geschrieben hat und ich befürchte, dass die "andere Seite" eine Verschwörung oder eine Großoffensive ihrer Feinde wahrnimmt, wenn ich jetzt auch noch etwas dazu meine. Auch wenn das, was ich zu sagen hätte, vielleicht einen ganz anderen Aspekt betrifft als den, den mein Vorgänger wichtig fand.
Und noch mehr ärgert mich natürlich, dass es sich auch noch auf mein Privatleben auswirkt. Zum Beispiel wenn ich plane, wen ich zu einer Party einladen soll…

"What's so civil about war anyway?" (Guns 'N Roses)

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Text veröffentlichen soll. Ich habe es nun getan, und ich weiß, dass ich damit etwas riskiere. Ich riskiere, dass dieser Text als weitere Waffe in irgendeinem Bürgerkrieg genutzt wird, und ich riskiere, einige Freundschaften zu belasten. Beides will ich nicht.

Aber das hier, verdammt, ist mein Blog. Meine Party. Und ich musste das einfach mal irgendwo loswerden.
Ich habe diesen Text, das sei auch noch gesagt, ganz allein geschrieben, mit niemandem diskutiert oder abgesprochen, und ich bitte darum, dass allfällige Reaktionen das dann bitte auch berücksichtigen und andere Leute da mal raus lassen.

Mittwoch, 12. August 2009

Ubierin, Beta-Version

Vergangenes Wochenende - bei den Römer- und Germanentagen im Lippischen Landesmuseum Detmold - hatte ich zum zweiten Mal Gelegenheit, meine neue Darstellung einer Bewohnerin Bonns im 2. Jh. n. Chr. (Ubierin) auszutesten. Der erste Versuch in Xanten war ja leider wegen der Blitzschläge vorzeitig abgebrochen worden.

Im Prinzip sollte es in diese Richtung gehen (Teil eines Matronenaltars aus dem Rheinischen Landesmuseum Bonn):

Detail eines Bonner Matronensteins

Und so sah es aus:

ubierin-beta

Ich bin mit dem Test recht zufrieden. Einige Kleidungsdetails muss ich noch einmal überdenken, der (auf diesem Bild nicht sichtbare) Sprang-Gürtel ist ziemlich unschön (ich bin trotzdem stolz drauf, ist immerhin mein erstes Sprang-Werk überhaupt).
Aber die Frisuren-Tests verliefen schon mal ganz interessant. Da lohnt es sich, weiter zu experimentieren!

Details dazu? Demnächst in diesem Theater....

Samstag, 1. August 2009

Frisuren

Warum eigentlich kümmern sich so wenig Menschen in der Darstellerszene um Frisuren? Ich meine, es ist doch erstaunlich: jede Menge Schneiderinnen versuchen sich mehr oder weniger erfolgreich als Gewandschneyderinnen, bei der Kleidung wird liebevoll auf jedes einzelne Detail gesehen, und es gibt immer jemanden, der es geschafft hat, die Ausstattung nicht nur irgendwie hinzukloppen, sondern tatsächlich etwas nach bestem Wissen, Fundlage und handwerklichen Kenntnissen so nah wie möglich am Original, stimmig und funktioierend, herzustellen.

Bei Frisuren ist das ganz anders. Ich spreche jetzt vor allem von Frauenfrisuren, bei Männern enthalte ich mich erst mal aller Kommentare. Keine wissenschaftlichen Publikationen über die genaue Konstruktion einer Frisur (oder? was ich kenne, sind nur Randbemerkungen in allgemeinen Tracht-der-soundso-Zeit-Artikeln...), keine ausgebildete Friseurin, die sich mal Gedanken gemacht hat, nur sehr selten trifft man Gruppen an, die wenigstens ansatzweise mal Dinge überdenken und ausprobieren (eher übrigens in der Römer-/Germanen-Szene als im Mittelalter).

Statt dessen allenthalben wallende Barbarinnenmähnen, Fantasy-Prinzesschenfrisuren, Kopftuch-drum-passt-scho oder - im allerbesten Fall - ein "sieht ungefähr aus wie auf der Abbildung".... letzteres ist natürlich legitim, würde aber im Fall Bekleidung schon einige kritische Fragen nach sich ziehen....

Um so schöner, wenn sich mal jemand richtig Gedanken macht und dann eine plausible Rekonstruktion einer hochmittelalterlichen Frisur aus Köln zaubert:

Kopf mit Zopffrisur im Profil mit Haenden, die die Zoepfe festnähen
(klick für größeres Bild)

Die Zöpfe werden übrigens, ja, festgenäht!

(Ich hab nur den Kopf hingehalten, die Künstlerin ist Sonja von Tempora Nostra)

Donnerstag, 9. Juli 2009

Vermittlung von Vergangenheit - Teil II: Modul Gesellschaft

So, nun die Fortsetzung hiervon...

Um beim Ende anzufangen, ich habe durchaus Hemmungen, hier zu berichten, was im Modul Gesellschaft diskutiert wurde. Wir haben nämlich am Schluss einen gemeinsamen Text erarbeitet und abgestimmt, der, sobald er veröffentlicht ist, sozusagen das "offizielle" Dokument dieses Moduls sein wird.

Da in den einschlägigen Foren jetzt schon zu sehen ist, dass die Berichte über die Tagung sehr genau gelesen werden und bei ungenauen Formulierungen oder bestimmten Reizwörtern die Emotionen sehr schnell hochkochen (das ist vielleicht ganz normal, zeigt es doch, mit welchem Engagement viele Leute dabei sind), habe ich jetzt die Befürchtung, dass eine Formulierung von mir hier zu Konflikten führt und das dann auf den Tagungs-Organisatoren runterkommt. Was ich unbedingt vermeiden will.

Also, Disclaimer: Der DASV ist der einzige, der Im Besitz des wirklich beschlossenen Ergebnisses ist. Und ich werde hier nur mal kurz aufzählen, welche Themen angesprochen wurden, und keine Ergebnisse bekannt geben.

Im Modul waren die beiden ReferentInnen Habsburg-Lothringen und Schuppener - leider nur bis Samstag Abend - anwesend, außerdem einige "Museumsleute" und viele Archäologiestudenten. LH-ler waren nur drei dabei.

Themen:
  • Museen im politischen Kontext - Einflüsse durch Museumsförderung von Staat (auch EU) und Wirtschaft, Abhängigkeit von Besucherzahlenstatistiken
  • ein Museum kann nie "unpolitisch" sein
  • Definition eines eigenen Profils durch die Museen selber, davon abhängig dann die Frage des Vermittlungskonzepts
  • Besondere Autorität von Museen - was im Museum gezeigt wird, wird vom Besucher als "wahr" wahrgenommen
  • Rolle historischer Bilder bei der Stiftung von Identität - auch der Identität von LH-Gruppen
  • Probleme des Zeigens von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen am Originalfund und in der LH-Rekonstruktion
  • Verantwortung von Museen, gerade (aber nicht nur) beim Einsatz von LH vorhandene Klischees (z. B. vom heldenhaften, wilden Germanen) nicht auch noch zu verstärken
Hier noch ein persönlicher Eindruck: Ich glaube, dass "beide Seiten" (wenn man denn nun zwei Seiten sehen will) noch sehr wenig voneinander wissen. Ich habe bei vielen Teilnehmenden eine große Offenheit und Neugier auf "uns" LHler gespürt, das zeigte sich auch an Fragen in unserem Modul. Ich glaube, dass die ganze Bandbreite der Gruppen und Darsteller - von dem, wie sie sich selber sehen, und von dem, was sie einem Museum bieten können - , noch gar nicht so richtig bekannt ist.

Meine lebende Geschichte

living history for beginners

Willkommen bei lunula

Du bist nicht angemeldet.

Suche bei lunula

 

Geschichte und Leben

Oh gut, wir hatten uns...
Oh gut, wir hatten uns schon gewundert! Viele Grüße...
Walter Hase (Gast) - 7. Feb, 13:37
Krieg im Kopf
.....habe deinen Text gerade erst gelesen... schon...
dicker Bootsbauer (Gast) - 5. Feb, 22:48
Borres Blog ist in 2...
... lässt er ausrichten.
lunula - 5. Feb, 22:12
Dein Beitrag hat mich...
Dein Beitrag hat mich richtig beschäftigt und...
Maren (Gast) - 2. Feb, 20:52
PS: Komisch das hier...
PS: Komisch das hier sonst keiner bisher einen Kommentar...
Jøran-Njål, Vikingr (Gast) - 2. Feb, 19:25

Frühgeschichte

Online seit 2115 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 7. Feb, 13:37

Zähler

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (summary)

twoday.net AGB