Donnerstag, 26. Januar 2012

Neue Ausstellung: Steppenkrieger

Heute beginnt im Rheinischen Landesmuseum Bonn die Ausstellung

"Steppenkrieger - Reiternomaden des 7. bis 14. Jahrhunderts in der Mongolei"
Sie soll bis zum 29. April dauern.

Ich war gestern bei der Eröffnung und konnte - trotz des höllischen Gedränges - einen kleinen Blick auf die Exponate werfen.


Was gibt es zu sehen?

Funde aus der Mongolei, die in den Werkstätten des Bonner Museums restauriert wurden. Absolut spektakuläre Funde, die noch nirgendwo anders zu sehen waren.
Es gibt hauptsächlich die Exponate und wenig "Drumrum", was ich als einenVorzug der Ausstellung empfinde.
Zu sehen sind - kurz zusammengefasst die Bereiche:
  • Reiterei - vor allem mehrere Sättel,
  • Pfeil, Bogen, Köcher - hier gibt es wirklich viel zu sehen,
  • andere Bewaffnung, insb. zum Thema Lamellenpanzer,
  • Musikinstrumente - mehrere mittelalterliche Saiteninstrumente,
  • Textilien - Teile von Kaftanen mit Seide und Kaschmir,
  • bildliche Darstellungen mongolischer Reiter aus persischen Handschriften.
Außerdem ist dort eine schicke Jurte aus Wollfilz aufgebaut (dadurch riecht es heftig nach Schaf, was ich persönlich gerne mag...)

Bei der Eröffnung wurde viel auf den Einfluss verschiedener "Reitervölker" auf die europäische Geschichte von der Spätantike bis ins 14. Jahrhundert verwiesen; so weit ich das sehen konnte, spiegelt sich dies nicht in den Ausstellung, es scheinen keine Funde aus Europa dagegengestellt zu sein. Das Thema wird aber wohl umfangreich in Katalog, Begleitpublikationen und Vortreägen behandelt werden (leider scheint das Begleitprogramm noch nicht online zu sein).

(Für wen) Lohnt sich die Ausstellung?

Für den Darsteller europäischer Geschichte und Sachkultur ist natürlich nichts unmittelbar Verwertbares dabei. Die Ausstellung ist räumlich recht überschaubar und konzentriert sich wirklich auf die Exponate. Diese sind aber wirklich sehr schön.
Die Ausstellung dürfte ein Muss für alle Fans des historischen Bogenschießens sein. Auch Freunde von historischer Reiterei und von historischen Musikinstrumenten sollten sich das ansehen. Und für Menschen, die sich für die von "Reitervölkern" im genannten Zeitraum beeinflussten Regionen interessieren (von den Awaren bis zu Dschingis Khan) können sicher interessante Anregungen mitnehmen.

Positiv möchte ich noch die ausführliche und gut leserliche Beschriftung der Exponate hervorheben. Der Katalog gefiel mir beim ersten Durchblättern gut, die Abbildungen der Exponate sind von guter Qualität.

Und Bonn ist ja eh einen Ausflug wert....

Mittwoch, 24. August 2011

Freilichtmuseen: Krieg den Hütten! Baut mehr Paläste!

Der Besuch mehrerer Museen in unserem Island-Urlaub hat mir einige neue Denkanstöße gegeben, für ein Problem, über das ich schon länger nachdeenke.

Wir waren in Island an drei Orten, wobei es sich um zwei rekonstruierte mittelalterliche Bauten und ein erhaltenes neuzeitliches Gehöft handelte:
  • Eiríksstaðir, die Rekonstruktion eines Hofes aus dem 10. Jahrhundert, der vermutlich Erik dem Roten gehörte,
  • Þjóðveldisbær, die Rekonstruktion des 1104 bei einem Vulkanausbruch verschütteten Gehöfts Stöng,
  • Laufas, ein Torfgehöft aus dem 19. Jahrhundert. (Davon gibt es in Island noch viel mehr, die schauen wir dann beim nächsten Mal an...)
Allen dreien ist die isländische Bauweise gemeinsam: Da Island selbst über wenig Baumbewuchs verfügt, bestehen die Wände außen aus dicken "Mauern" aus Torfsoden, das Dach auch aus Grassoden, innen Holzgebälk, die großen Pfeiler aus Treibholzstämmen.

Kapelle-Thjodvaeldisbaer

Eine weitere Gemeinsamkeit war, und hier wird es interessant, dass alle drei Häuser im Innern so ausgestattet waren, dass man sofort hätte einziehen mögen. Hübsch, sauber, warm, komfortabel.

Thjodvaeldisbaer-innen

Und das brachte mich zum Staunen. Habe ich doch selbst einige Male in Museumshäusern "wohnen" können und noch mehr davon besuchen dürfen. Bei vielen davon pfeift der Wind durch löchrige Lehrmflechtwände, die Innenwände sind kaum verputzt oder verkleidet, das Holzgebälk ist so roh, dass man sich überall Splitter eiinziehen kann, der Boden ist staubig, im Dachstuhl nisten Vögel und k***en überall hin... Man bemüht sich, so einen Ort zu beleben und ist mit den entsetzten Gesichtern vieler Besucher vertraut, die von ihrem Museumsbesuch die Gewissheit mitnehmen, dass die Leute früher in Dreck und Elend gehaust haben.

Woher dieser Unterschied? Sind die Bauten in Island weniger historisch korrekt als bei uns? Ich glaube nicht. Modenre Kompromisse müssen sicher überall gemacht werden, z. B. der Einbau von Feuerlöschern. Aber vielleicht ist die isländische Innenausstattung sogar historisch nachvollziehbarer als die mitteleuropäische Rohbauweise. Oder möchten Sie in Ihr neues Haus einziehen, wenn noch nicht mal ein gescheiter Bodenbelag drin ist und die Kabel offen aus der Wand hängen?
Sicher lebten viele Menschen früher auch in elenden Katen. Die Museumshäuser, die ich meine, zeigen aber von ihrer Anlage und Größe her, dass hier Leute mit einigem Wohlstand lebten. Und die sollen nicht mal geglättete Holzbalken in ihren Häusern gehabt haben?

Des Rätsels Lösung findet sich in der (auch historisch und archäologisch sehr informativen) Broschüre, die man in Þjóðveldisbær kaufen kann. Die Reko wurde schon 1974 begonnen, 1977 eingeweiht, und im Heft heißt es dazu:
Bei der Rekonstruktion [...] standen die folgenden Leitgedanken besonders im Vordergrund:
1. Den Hof so genau wie möglich auf den Überresten des Hofes in Stöng aufzubauen und damit zu versuchen, ein glaubwürdiges Bild [...] zu vermitteln,
[...]
3. Drittens sollte diese Rekonstruktion zeigen, dass die Wohnstätten der Isländer im Mittelalter keine armseligen Torfhütten waren, sondern sorgfältig ausgeführte, stattliche Gebäude.

Da stellt sich nun doch die Frage: Die Isländer erklären hier, was sie zeigen wollen und welche Vorstellung sie beim Bau im Hinterkopf hatten. Was wollen die Deutschen zeigen? Vielleicht unbewusst?
Liegt es daran, dass es in Deutschland schon seit der Romantik, aber auch in neueren Zeiten z. B. durch entsprechende Fernsehdokus viele Klischees des einfachen, romantischen, urwüchsigen Lebens in möglichst natrunahen Behausungen gibt? Angesichts der bitteren Not, die die Isländer in den vergangenen Jahrhunderten erdulden mussten, betrachtet man zugige, schmutzige Hütten dort wahrscheinlich mit weniger romantischen Gefühlen.

Ich glaube auch, dass das Kostenargument hier nicht greifen kann. Wenn Museen nicht genug Geld haben, ein Haus vollständig zu Ende zu bauen, dann sollen sie Bauphasen zeigen und nicht den Eindruck fertiger Häuser. Oder weniger Einzelhäuser bauen und vielleicht nicht die Rekonstruktion einer 20m langen Fürstenhalle, in der dann der Wind pfeift. Lieber was Kleineres mit einer liebevollen Innenausstattung.

Mittwoch, 10. August 2011

Island

Zwischen Europa und Amerika gibt es eine tiefe Kluft. Dochdoch, man kann sie sogar sehen, sie geht mitten durch Island durch und die Entfernung wird mit der Zeit immer größer:

thingvel

An dieser Felsformation, die durch das Auseinanderdriften der amerikanischen und der eurasischen tektonischen Platten entstanden ist, liegt Thingvellir. Das ist auch ein historisch bedeutender Ort, an dem seit dem Jahr 930 der Althing (die isländische Volksversammlung) tagte. Noch heute trifft sich das isländische Parlament zu festlichen Anlässen hier.

Diesen schönen Ort haben wir am ersten Tag unserer Reise besichtigt. Am zweiten Tag haben wir uns einen derzeit inaktiven Vulkan angeschaut, der genauso aussieht, wie man sich einen Vulkan vorstellt, rund und kegelförmig und mit einem großen Krater innen. Man konnte (sehr komfortabel, wo es steil wurde, waren sogar Holztreppen gebaut) hinaufsteigen und den Krater umrunden.
Am Fuß des Vulkans sind Pferche aus Steinmauern zu seheh, wahrscheinlich wurden oder werden dort Schäfchen gezählt:

pferch

Am dritten Tag gab es dann wirklich wunderschöne Wasserfallkaskaden zu bestaunen. Aus vielen einzelnen Spalten im erstarrten Lavagestein fließen die Wasserfälle in den Fluss:

wasserfall

Hach, ist das schön hier!

Donnerstag, 24. März 2011

Lebenszyklen von Hobbygruppen...

Eine sehr schöne Beschreibung für den Bereich LARP findet sich hier, wobei vieles davon auf das Hobby Living History übertragbar ist.

Sonntag, 11. Juli 2010

Lofoten

Statt vieler Worte zwei kleine Bilder vom aktuellen Lofoten-Urlaub:

Viele Schafe gibts hier nicht, aber die hier grasten so schön am Berghang:
Schafe auf den Lofoten

Und im Lofotr Viking Museum ein Foto von einer kleinen Wikingerfürstin auf einem großen Wikingerthron:
borgthron

Mehr über unsere Reise gibts bei Herrn Borre.

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